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11.12.2017: Schweizer Wirtschaft nimmt Fahrt auf

11.12.2017 10:55:18
Getrieben von einer soliden Entwicklung der ausländischen Märkte und einer Abschwächung des Schweizer Frankens legt die Schweizer Industrie deutlich zu und zieht die Konjunktur mit. Die Entwicklung des Binnenmarktes hingegen verläuft nicht parallel: Während etwa die Versicherungswirtschaft und das Gesundheitswesen weiterhin auf Wachstumskurs sind, erreicht das Baugewerbe den Zenit. economiesuisse prognostiziert ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 1,0 Prozent im laufenden Jahr und ein Plus von 2,2 Prozent für 2018, wie Chefökonom Rudolf Minsch Anfang Dezember bei einer Pressekonferenz erläuterte.

Das Anziehen der Weltkonjunktur sei der wichtigste Wachstumstreiber für die Schweizer Wirtschaft. Dies betreffe vor allem das Wachstum in Europa, wo Deutschland weiterhin als Lokomotive wirke und endlich auch Länder wie Frankreich und Italien auf den Erholungskurs eingeschwenkt seien. Die Erholung des Euros habe zwar auch positive Mengeneffekte, vor allem für den Schweizer Tourismus, erklärte Rudolf Minsch. "Noch wichtiger jedoch ist, dass sich die Marge im Export auf breiter Basis erholt und vielen Unternehmen wieder eine höhere Investitionstätigkeit erlaubt." Der Schweizer Franken sei gegenüber dem Euro zwar immer noch überbewertet, jedoch auf einem Niveau, mit dem die wertschöpfungsintensive Schweizer Wirtschaft umgehen könne.

Gemäss Rudolf Minsch beginnen sich die strukturellen Anpassungen in der gesamten Wertschöpfungskette der Schweizer Exportindustrie nun auszuzahlen: Effizientere Prozesse, der Fokus auf wertschöpfungsintensive Tätigkeiten und ein rigides Kostenmanagement erlauben es, von der wirtschaftlichen Erholung zu profitieren und gleichzeitig die Innovation weiter voranzutreiben. Gerade in der Maschinenindustrie, in der die Trendwende bereits im ersten Quartal 2017 eingesetzt hat, verstärkt sich der Aufschwung deutlich. Auch die Uhrenindustrie wächst in diesem Jahr kräftig und ist vorsichtig optimistisch für 2018. In der Textilindustrie verzögert sich der Aufschwung etwas und wird erst im nächsten Jahr einsetzen. Schliesslich kann die Hotellerie nach zwei sehr schwierigen Jahren wieder deutlich zulegen und blickt auch positiv ins nächste Jahr. Die wichtigste Wachstumsbranche der Schweiz der vergangenen Jahre, die chemisch-pharmazeutische Industrie, wird relativ unbeeindruckt von Wechselkursänderungen weiter zulegen.

Binnenwirtschaft

Unterschiedliche Trends dominieren in den mehrheitlich binnenwirtschaftlich orientierten Branchen: Weiterhin mit einem negativen Trend kämpfen Branchen wie der Energiesektor, die Telekommunikationsindustrie oder die Druckindustrie, deren Wertschöpfung strukturell bedingt zurückgeht. Zwar helfen auch diesen Branchen die positiven Konjunkturstimuli, doch können diese den Trend nicht umkehren. Demgegenüber profitieren das Gesundheitswesen und der Versandhandel von einem anhaltend positiven Trend. Eine stabile, aber moderatere Entwicklung verzeichnet die Finanzindustrie, wobei die Versicherungswirtschaft 2018 etwas kräftiger als die Bankenindustrie zulegen dürfte. Während sich das laufende Jahr für das Bauhauptgewerbe positiv entwickelt, erwartet die Branche für 2018 einen leichten Wertschöpfungsrückgang, auch wenn das Bauvolumen im historischen Vergleich hoch bleibt. Dies wirkt sich erst verzögert auf das Baunebengewerbe aus. Die sinkende Zuwanderung und steigende Leerstandszahlen belasten die Preisentwicklung und sorgen für eine Abschwächung der Wohnbautätigkeit in der Schweiz. Demgegenüber wirkt sich die Belebung der Konjunktur positiv auf den gewerblichen Bau aus.

Insgesamt entwickelt sich die Binnenwirtschaft solid. Nominallohnzuwächse in der Grössenordnung von 0,8 Prozent, sinkende Arbeitslosenzahlen und allgemein positivere Zukunftsaussichten stimulieren den privaten Konsum, der etwas stärker zulegen wird als in den Vorjahren. Die aufgehellten Konjunkturaussichten führen auch zu höheren Ausrüstungsinvestitionen.

Weitere Informationen:

Die gesamte Pressemitteilung mit Prognosen von economiesuisse zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung können Sie unter folgendem Link nachlesen:
Pressemitteilung von economiesuisse vom 6. Dezember 2017

(Quelle: economiesuisse)